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Manchmal sind die kleinen Dinge plötzlich eine Herausforderung. Zum Beispiel eine Kerze anzünden. Bei den langen dünnen eigentlich kein Problem. Aber die kurzen dicken ....

Im Grunde genommen eine einfache Sache: Flamme an den Docht halten und schon brennt die Kerze. Das geht auch gut so für Stargardter, solange der Docht sichtbar ist. Bei kurzen dicken Kerzen versinkt er aber allmählich in der Kerze und ein Rand aus Wachs bleibt stehen. Das ist Absicht, denn so erhält das Licht der Kerze einen besonderen Touch, wenn es durch das Wachs durch scheint. Ist die Flamme aber aus wird es schwierig. Um den Docht zu sehen, muss ich mir die Kerze sehr nach vor das Gesicht halten. Zu nah für ein brennendes Streichholz. ich riskiere, mir die Brauen anzusengen oder die Nase zu verbrennen. Die Finger sind das beinahe schon gewohnt.

Wirklich kompliziert wird es, wenn die Flamme, die den Docht anzünden sollte, an einer drei Meter langen Stange steckt. Wie das? Nun, in dem Dorf, wo ich aufgewachsen bin, war es Tradition, dass die jungen Männer im Jahr, wo sie 16 wurden, an Weihnachten die Kerzen des Weihnachtsbaumes in der Kirche anzündeten. Das war ein echter Baum, etwa fünf Meter hoch, mit wirklichen Kerzen, kein Plastik mit elektrischem Licht. Um die höher gelegenen Kerzen zu erreichen, wurde eine Kerze eben auf den besagten Stange gesteckt. Diese musste dann von schräg unten hoch und an die Kerze gehalten werden. Nun denn, in meinem Jahr waren wir zu dritt. Ein Kollege erschien gar nicht erst, also waren wir noch zu zweit. Wir nahmen also unsere Plätze vorne im Kirchenschiff ein, und während des Pastor mit dem einleitenden Orgelspiel das Kirchenschiff durchschritt, sagte mir mein Kollege:

- Du hör mal, du musst das machen heute. Ich habe grad was genommen und bin komplett high. Seh irgendwie alles doppelt und dreifach...

Na toll. Bevor ich was entgegnen konnte, erhielten wir von der Kirchendienerin auch schon das Zeichen, mit dem Anzünden der Kerzen zu beginnen. Da machten sich also der praktisch Blinde und der vollkommen Zugedröhnte auf, vier Dutzend Kerzen anzuzünden, möglichst ohne gleich den ganzen Baum in Flammen aufgehen zu lassen.

Die untersten zwei Meter waren noch relativ einfach: war die Kerze mal gefunden, war sie rasch angezündet. Doch dann kam die besagte Stange zum Einsatz: Eine kleine Kerze in vier Metern Höhe zu sehen, ist schon schwer genug, sie mit einer anderen brennenden Kerze zu treffen, und dann noch so, dass der Docht zu brennen beginnt ... Nun ja, es dauerte lange. Bei einigen hatte ich sogar Erfolg, bei der Mehrzahl war aber nichts zu holen. Mein Kollege hatte sich diskret hinter den Baum zurück gezogen, wo dIe Gemeinde nicht bekam, dass er sich noch ungeschickter anstellte als ich. Schliess hatte ein Nachbar, der ein paar Jahre älter war, Erbarmen. mit uns und kam uns zu Hilfe. Bezeichnenderweise war er auch der Kommandant der Dorffeuerwehr.

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