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Das Anschreiben von Dingen ist eine Kunst. Als Stargadter merke ich das besonders: Wenn etwas nicht am üblichen Ort steht, vor lauter Design nicht mehr z entziffern ist oder die Position des Schildes so geartet ist, dass ich ohne mein Fernglas nicht weiter komme.

Kürzlich stand ich in Florenz vor dem Hotel, wo ich ein Zimmer gebucht hatte. Es war ein kleines Hotel, eines das im ersten Stock des Hauses und darüber liegt. Im Erdgeschoss befinden sich andere Geschäfte, und der Eingang um Hotel besteht nur aus einer Tür und einem Schild. Man muss dann klingeln, damit die Tür aufgeht - nur wo ist die Klingel? Im Normalfall ist sie links oder rechts neben der Tür auf halber Höhe. Doch manchmal ist der Eingang geschmückt mit Bemalung, Stuckatur oder in diesem Fall mit einem grossen verziertem Bronzeschild, ganz im Renaissancestil. Aber keine Klingel. Ich suche herum, finde weiter unten einen kleine Kasten mit einem halb verwitterten Knopf und drücke mal. Durch die Glastür höre ich, dass der Rollstühllift kurz anruckt und dann wieder stehen bleibt. Immerhin habe ich schon mal eine Leitung ins Innere des Hotels gefunden. Ich schaue weiter und finde auf der anderen Seite der Tür hinter einer Pflanze ein weiteres Kästchen an der Fassade, das aber keinen Knopf hat. Das wäre auch ein ziemlich blöder Ort für eine Klingel. Ich bin ein wenig ratlos und versuche mal hinter der Glastür die Treppe hoch zu spähen. Vielleicht schaut ja jemand runter. Dann beginne ich, die Bronzetafel abzutasten und siehe da: knapp rechts von der Mitte hat es einen kleine Kreis, der sich über die restliche Ebene des Schildes erhebt - und den man drücken kann. Die Klingel versank für mich in der Verzierungen der Bronzeplatte.

Manchmal ist sie aber auch zu deutlich angebracht. So stand ich ein anderes Mal vor einer geschlossenen Glastür eines Amtes der Stadtverwaltung und suchte den Knopf, der mir Einlass verschaffen sollte. Doch da war nur der Lichtschalter fürs Treppenhaus. Schliesslich habe ich jemanden gefragt, und sie wies auf ein grosse,, grünes Schild hin, das an der Wand rechts neben der Tür hing hing. Das Schild trug den Namen des Amtes, hatte einen eingelassenen Monitor, über welchen Text lief, und weitere fix stehende Textblöcke  daneben. Darunter war ein Bild von Leuten - wahrscheinlich einige Einwohner der Stad- und eine nicht ganz klare Info-Grafik zu erkennen.  Und mitten drin ein roter Knopf. Für mich hat die Tafel mehr nach einem Teil der Ausstellung ausgesehen, die auf dem grossen Treppenabsatz vor dem Eingang stand. Aber vielleicht war das gar keine Ausstellung,sondern eine Anleitung mit Informationen, die ich erst hätte lesen sollen. Nur hätte die Amtsstelle schon wieder geschlossen, bis ich damit da durch gelesen hätte.

Es zeigt sich hier im Kleinen, wie schwierig es werden kann, wenn die Dinge von der gelernten Norm abweichen. Ich habe gelernt, mich nicht über solche Vorkommnisse zu ärgern, sondern sie mit einem Lachen hinzunehmen. Schliesslich habe ich sie ja gemeistert und die Türen gingen am Ende auf. Auch wenn ich in einigen Fällen am nächsten Tag einen zweiten Anlauf nehmen musste.

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